{"id":3225,"date":"2015-05-11T01:07:49","date_gmt":"2015-05-10T23:07:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.jsv-bernau.de\/jsv\/?page_id=3225"},"modified":"2015-06-03T15:50:21","modified_gmt":"2015-06-03T13:50:21","slug":"geschichte-des-judo","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.jsv-bernau.de\/jsv\/was-ist-judo\/geschichte-des-judo\/","title":{"rendered":"Geschichte des Judo"},"content":{"rendered":"<h2>Historische Wurzeln<\/h2>\n<p>Die Wurzeln von Judo lassen sich wahrscheinlich weit \u00fcber 1500 Jahre in die Vergangenheit zur\u00fcckverfolgen. Das Ursprungsland Japan hat eine von vielen jahrhundertelangen Kriegen gezeichnete Geschichte. Vor allem im 15. und 16. Jahrhundert gab es unz\u00e4hlige Machtk\u00e4mpfe zwischen weitgehend autonomen F\u00fcrstent\u00fcmern.<\/p>\n<p>In den Jahrhunderten, in denen Kriege gef\u00fchrt wurden, entwickelten sich zahlreiche Formen des Kampfes mit und ohne Waffen. Diese Kampfformen wurden ab der Mitte des 16. Jahrhunderts formalisiert und durch die Ryu-ha (Kampfkunstschule, Kampfkunststil) strukturiert \u00fcberliefert. In diesen Ryu-ha wurde den bewaffneten St\u00e4nden, den Samurai, neben dem Schwertkampf und dem Bogenschie\u00dfen auch der waffenlose Kampf, das JuJutsu (je nach Schule auch Yawara oder Tai-Jutsu genannt) weitergegeben. Die Weitergabe erfolgte in der Regel streng geheim. Das Wissen wurde verschl\u00fcsselt in Schriftrollen, Densho genannt, oder nur m\u00fcndlich (Kuden) weitergegeben.<\/p>\n<p>Jujutsu wurde in erster Linie als Erg\u00e4nzung zum Waffenkampf, insbesondere zum Schwertkampf, gelehrt. Schon damals entwickelte man Wurftechniken, Gelenkhebel, W\u00fcrgetechniken sowie Schl\u00e4ge, St\u00f6\u00dfe und Tritte. W\u00fcrfe waren oftmals mit Hebeln oder Schl\u00e4gen und St\u00f6\u00dfen gekoppelt und hatten nicht unbedingt das Ziel, den Gegner auf den R\u00fccken zu werfen, denn auf dem Schlachtfeld war das Ausschalten des Gegners wichtiger als ihn kontrolliert zu werfen.<\/p>\n<p>In der Zeit ab 1868, der Meiji-Restauration, schaffte der Kaiser Meiji das St\u00e4ndesystem ab und beschnitt damit empfindlich die Privilegien der Samurai.<\/p>\n<h2>Jigoro Kano<\/h2>\n<div id=\"attachment_4077\" style=\"width: 199px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.jsv-bernau.de\/jsv\/wp-content\/uploads\/page\/3225\/Kano_Jigoro.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4077\" class=\"wp-image-4077\" title=\"Jigoro Kano (1860-1938)\" src=\"https:\/\/www.jsv-bernau.de\/jsv\/wp-content\/uploads\/page\/3225\/Kano_Jigoro.jpg\" alt=\"Kano_Jigoro\" width=\"189\" height=\"235\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4077\" class=\"wp-caption-text\">Jigoro Kano (1860-1938)<\/p><\/div>\n<p>Jigoro Kano (1860-1938) wurde am 28. Oktober 1860 in Mikage, einem heutigen Stadtteil von Kobe geboren. Seine Familie war \u00e4u\u00dferst wohlhabend. Kanos Vater \u00fcbernahm gro\u00dfe Regierungsauftr\u00e4ge und wurde sp\u00e4ter als hoher Beamter von der Regierung eingesetzt.<\/p>\n<p>Kano erhielt die beste Ausbildung, die in der damaligen Zeit in Japan m\u00f6glich war. Dieser soziale Aufstieg war nur m\u00f6glich, weil das St\u00e4ndesystem kurz zuvor abgeschafft worden war, denn die Familie Kano stammte nicht von einer Samurai-Familie ab. Er studierte Literatur, Politik und Volkswirtschaft und schrieb sich f\u00fcr weitere Studien in \u00c4sthetik, Moral und P\u00e4dagogik ein.<\/p>\n<p>Gegen den Widerstand seines Vaters, der Kampfk\u00fcnste f\u00fcr r\u00fcckst\u00e4ndig hielt, begann Jigoro Kano im Alter von ungef\u00e4hr 17 Jahren mit dem Studium der Tenjin-shin\u2019yo-ryu. Nach dem Tod seines Meisters lernte er in der Kito-ryu weiter. In beiden Schulen erreichte er das Menkyo-Kaiden, die uneingeschr\u00e4nkte Lehrerlaubnis.<\/p>\n<p>Zu Kanos Erstaunen gab es gro\u00dfe Unterschiede zwischen der Tenjin-shin\u2019yo-ryu und der Kito-ryu. Die Erstere beinhaltete neben W\u00fcrfen viele Hebel, W\u00fcrgegriffe, Schl\u00e4ge und Tritte, jedoch waren die Wurftechniken der Kito-ryu, vor allem die Sutemi-Waza, sehr viel ausgefeilt, so dass Kano sie fasziniert studierte.<\/p>\n<h2>Die Anf\u00e4nge<\/h2>\n<p>Im Mai 1882 er\u00f6ffnete Kano sein erstes Dojo und gab ihm den Namen Kodokan (w\u00f6rtlich \u201eHalle zum Studium des Weges\u201c). Er mietete R\u00e4ume im Eishoji-Tempel in Tokio. Das als Trainingsraum genutzte Zimmer diente gleichzeitig als Studier-, Schlaf- und Empfangszimmer und hatte eine Fl\u00e4che von nur rund 20 qm. Kano hatte in den ersten beiden Jahren nur sehr wenige Sch\u00fcler und wurde als Kampfkunstexperte von der \u00d6ffentlichkeit noch nicht wahrgenommen.<\/p>\n<p>Leben, Lernen und Trainieren waren damals eng miteinander verflochten. Ein Teil der Sch\u00fcler lebte im Dojo und genoss eine umfassende Erziehung durch Kano. Ein spartanischer, streng reglementierter und ritualisierter Lebensstil wurde als wertvoll f\u00fcr die Charakterbildung betrachtet. Das moralische Prinzip, Ji-Ta-Kyo-Ei, obwohl erst sp\u00e4ter formuliert, d\u00fcrfte hier schon seinen Ursprung gehabt haben.<\/p>\n<p>Im Jahr 1884 war der Entwicklungsprozess des von Kano gelehrten Kampfstils so weit fortgeschritten, dass er damit begann, die Prinzipien des neuen Kampfsystems in der Satzung des Kodokan-Dojos festzuhalten.<\/p>\n<p><em><strong>\u201eDurch das Vereinen all der Vorteile, die ich verschiedenen Schulen des Jiu Jitsu entnommen habe, und durch das Hinzuf\u00fcgen meiner eigenen Techniken habe ich ein neues System der K\u00f6rperert\u00fcchtigung, des mentalen Trainings und des Wettkampfs gefunden. Dieses System nenne ich Kodokan-Judo.\u201c (Jigoro Kano)<\/strong><\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_4078\" style=\"width: 227px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.jsv-bernau.de\/jsv\/wp-content\/uploads\/page\/3225\/Jigoro_Kano_and_Kyuzo_Mifune_restoration.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4078\" class=\"wp-image-4078\" title=\"Jigoro Kano und Kyuzo Mifune\" src=\"https:\/\/www.jsv-bernau.de\/jsv\/wp-content\/uploads\/page\/3225\/Jigoro_Kano_and_Kyuzo_Mifune_restoration-434x560.jpg\" alt=\"Jigoro_Kano_and_Kyuzo_Mifune_(restoration)\" width=\"217\" height=\"280\" srcset=\"https:\/\/www.jsv-bernau.de\/jsv\/wp-content\/uploads\/page\/3225\/Jigoro_Kano_and_Kyuzo_Mifune_restoration-434x560.jpg 434w, https:\/\/www.jsv-bernau.de\/jsv\/wp-content\/uploads\/page\/3225\/Jigoro_Kano_and_Kyuzo_Mifune_restoration-619x800.jpg 619w, https:\/\/www.jsv-bernau.de\/jsv\/wp-content\/uploads\/page\/3225\/Jigoro_Kano_and_Kyuzo_Mifune_restoration.jpg 867w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4078\" class=\"wp-caption-text\">Jigoro Kano und Kyuzo Mifune<\/p><\/div>\n<p>1886 gewann der Kodokan einen durch die Kaiserliche Polizeiverwaltung angeordneten Entscheidungskampf zwischen damals f\u00fchrenden und rivalisierenden Kampfkunstschulen. In der Folge wurde Judo offiziell in die Ausbildung der Polizei und auch in die Schulausbildung integriert.<\/p>\n<p>In den folgenden Jahren vervollkommnete und erg\u00e4nzte Kano sein Judo weiter. Die erste Go-Kyo, die Systematisierung der W\u00fcrfe, wurde geschaffen und die gro\u00dfen Haupt-Kata des Judo formuliert.<\/p>\n<p>Im zweiten Weltkrieg, nach den Tod Kanos 1938 wurde der Kodokan von nationalistischen Str\u00f6mungen unterwandert. Der Kodokan diente unter anderem als Akademie f\u00fcr japanische Offiziere. Nach dem Sieg der Alliierten 1945 wurde der Kodokan, wie auch die meisten anderen Kampfkunstschulen, deshalb auf Anordnung der Amerikaner geschlossen. Insgeheim wurde aber weitertrainiert.<\/p>\n<h2>Der Weg nach Deutschland<\/h2>\n<p>Der erste Kontakt nach Deutschland l\u00e4sst sich auf das Jahr 1906 zur\u00fcckf\u00fchren. Japanische Kriegsschiffe kamen zu Besuch nach Kiel und f\u00fchrten dem deutschen Kaiser ihre Nahkampfk\u00fcnste vor. Wilhelm II. war begeistert und lie\u00df seine Kadetten im Judo unterrichten.<\/p>\n<p>In Deutschland entstanden kurz darauf die ersten Judo-Schulen. Aufgrund einiger Missverst\u00e4ndnisse, die wohl haupts\u00e4chlich auf Erich Rahn zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, wurde dort statt Judo aber eher eine Art Jiu-Jitsu unterrichtet. Die ersten echten Judoschulen im Sinne Kanos entstanden erst im Jahre 1932 unter dem Einfluss der London Budokwai unter Gunji Koizumi. Die Pioniere der damaligen Zeit in Deutschland waren Alfred Rohde und Heinrich Frantzen.<\/p>\n<p>1933 wurde Judo von den Nationalsozialisten in den Deutschen Reichsbund eingegliedert und die Lehre zur paramilit\u00e4rischen Ausbildung missbraucht. In Folge dessen wurde Judo nach dem zweiten Weltkrieg auch in Deutschland durch die Alliierten verboten.<\/p>\n<p>Nach der Aufhebung des Verbotes wurde in der ehemaligen DDR bereits ab 1949 wieder systematisch Judo trainiert und 1950 die ersten Meisterschaften ausgetragen. Der Deutsche Judo-Verband der DDR (DJV) wurde offiziell 1958 gegr\u00fcndet. In der Bundesrepublik begannen erste Aktivit\u00e4ten erst wieder mit der Judo-Sommerschule 1951. Die Gr\u00fcndung des Deutschen Judo-Bundes (DJB) erfolgte im Jahr 1953 durch Mitglieder des 1952 gegr\u00fcndeten Deutschen Dan-Kollegiums (DDK). 1990 vereinigten sich der Deutsche Judo-Bund der BRD und der Deutsche Judo-Verband der DDR zum heutigen Deutschen Judo-Bund.<\/p>\n<h2>Judo wird olympisch<\/h2>\n<p>Zu Ehren Japans war Judo 1964 erstmal als olympischer Sport bei den Olympischen Spielen in Tokio zu sehen. Nach einer Pause im Jahr 1968 geh\u00f6rt Judo seit den Olympischen Spielen 1972 in M\u00fcnchen zum festen Programm. Bis 1988 war olympisches Judo eine reine M\u00e4nnerdom\u00e4ne. Erst seit den Spielen 1992 in Barcelona geh\u00f6ren auch Wettk\u00e4mpfe der Frauen zum festen olympischen Programm.<\/p>\n<div id=\"attachment_4079\" style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4079\" class=\"wp-image-4079 size-full\" title=\"JM 09\/2008\" src=\"https:\/\/www.jsv-bernau.de\/jsv\/wp-content\/uploads\/page\/3225\/JM_09_2008.jpg\" alt=\"JM 09\/2008\" width=\"180\" height=\"250\" \/><p id=\"caption-attachment-4079\" class=\"wp-caption-text\">JM 09\/2008<\/p><\/div>\n<p>Bisher konnten deutsche Athleten f\u00fcnf olympische Goldmedaillen gewinnen. Die Gewinner sind Dietmar Lorenz (1980, DDR), Frank Wienecke (1984, BRD), Udo Quellsalz (1996), Yvonne B\u00f6nisch (2004) und Ole Bischof (2008).<\/p>\n<p>Heute wird Judo in fast allen L\u00e4ndern der Welt ausge\u00fcbt und ist eine der am weitesten verbreiteten Kampfsportarten. Von den Mitgliederzahlen her ist der Deutsche Judo-Bund heute der zweitgr\u00f6\u00dfte Kampfsportverband in Deutschland.<\/p>\n<p><em><strong>\u201eJudo ist &#8211; in letzter Konsequenz &#8211; der h\u00f6chst wirksame Gebrauch von Geist und K\u00f6rper zu dem Zweck, sich selbst zu einer reifen Pers\u00f6nlichkeit zu entwickeln und einen Beitrag zum Wohlergehen der Welt zu leisten.\u201c (Jigoro Kano)<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Historische Wurzeln Die Wurzeln von Judo lassen sich wahrscheinlich weit \u00fcber 1500 Jahre in die Vergangenheit zur\u00fcckverfolgen. Das Ursprungsland Japan hat eine von vielen jahrhundertelangen Kriegen gezeichnete Geschichte. Vor allem im 15. und 16. Jahrhundert gab es unz\u00e4hlige Machtk\u00e4mpfe zwischen weitgehend autonomen F\u00fcrstent\u00fcmern. In den Jahrhunderten, in denen Kriege gef\u00fchrt wurden, entwickelten sich zahlreiche Formen des Kampfes mit und ohne Waffen. Diese Kampfformen wurden ab der Mitte des 16. Jahrhunderts formalisiert und durch die Ryu-ha (Kampfkunstschule, Kampfkunststil) strukturiert \u00fcberliefert. In diesen Ryu-ha wurde den bewaffneten St\u00e4nden, den Samurai, neben dem Schwertkampf und dem Bogenschie\u00dfen auch der waffenlose Kampf, das JuJutsu (je nach Schule auch Yawara oder Tai-Jutsu genannt) weitergegeben. Die Weitergabe erfolgte in der Regel streng geheim. Das Wissen wurde verschl\u00fcsselt in Schriftrollen, Densho genannt, oder nur m\u00fcndlich (Kuden) weitergegeben. Jujutsu wurde in erster Linie als Erg\u00e4nzung zum Waffenkampf, insbesondere zum Schwertkampf, gelehrt. Schon damals entwickelte man Wurftechniken, Gelenkhebel, W\u00fcrgetechniken sowie Schl\u00e4ge, St\u00f6\u00dfe und Tritte. 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